Christa Joo Hyun D’Angelo, Marc-Aurèle Debut, Jakob Ganslmeier & Ana Zibelnik, Kubra Khademi & Daniel Pettrow, Eric Meier
DE
„Früher dachte ich, es sei Frauensache, diese Angst vor Männern. Doch als ich anfing, mit Männern über Liebe zu sprechen, hörte ich wieder und wieder Geschichten über Angst von Männern vor Männern.“ (bell hooks, 2004)
Was ist ein Mann – und wer bestimmt, wie er zu sein hat? Dieser Frage möchte diese internationale Gruppenausstellung nachgehen. Sie rückt Männlichkeit ins Zentrum einer kritischen Auseinandersetzung: nicht als biologische Gewissheit, sondern als historisch gewachsenes, politisch aufgeladenes und kulturell wirkmächtiges Konstrukt.
Ausgehend vom berühmten Postulat der Philosophin Simone de Beauvoir (1908-1986) geht dieses Ausstellungsprojekt davon aus, dass – wie „die Frau“ – auch „der Mann“ nicht als Mann zur Welt kommt, sondern in der Gesellschaft „zum Mann gemacht“ wird. Der Titel zitiert den Essay „Männer, Männlichkeit und Liebe. Der Wille zur Veränderung“ der Autorin bell hooks (1952-2021), in dem sie die Notwendigkeit betont, Männer in feministische Veränderungen einzubeziehen. Die Soziologin Raewyn Connell liefert mit dem Konzept der „hegemonialen Männlichkeit“ eine theoretische Grundlage: Als „legitime“ Antwort auf das „Legitimationsproblem des Patriarchats“ stellt sie die dominante, aber instabile Form von Männlichkeit dar, von der selbst die meisten Männer ausgeschlossen oder ihr untergeordnet sind. Die untergeordneten Männlichkeiten verhalten sich komplizenhaft zur hegemonialen, um in einer Art „patriarchalen Dividende“ von den Vorteilen des Patriarchats zu profitieren. Insofern ist Männlichkeit nicht homogen – sie wird von Machtverhältnissen durchzogen, die auch entlang von ethnischer Herkunft, Milieu, Klasse, sexueller Orientierung und Alter wirken. Weitere gedankliche Anregungen gibt auch Michael Kimmels Soziologie des Zorns weißer Männer in den USA, die das erneute Erstarken männlicher Gewaltformen und des Widerstands gegen Veränderung beschreibt.
Die Ausstellung vereint internationale künstlerische Positionen, die patriarchale Strukturen sichtbar machen und hinterfragen. Es geht um Scham und Angst, um Hierarchien und Ausschlüsse – aber auch um das Potenzial für Veränderungen. Die Arbeiten reflektieren das Spannungsfeld von hegemonialer Männlichkeit, gesellschaftlicher Erwartung, emotionaler Sprachlosigkeit und queeren Lebensentwürfen. Sie zeigen, wie sich männliche Gewalt, Dominanz und Ausschluss reproduzieren – aber auch andere mögliche Männlichkeitsformen.
Als Teil der Ausstellung ist auch ein Artistic Reading Room geplant, der als Raum der Auseinandersetzungen und des Dialogs zum Thema funktioniert. Hier kann gelesen und diskutiert werden. Es finden Vorträge und Präsentationen statt. Ein Programm unserer Kunstvermittlung bietet dialogische Führungen sowie speziell konzipierte Workshops am Eröffnungswochenende und innerhalb von Schulprojekten an. „Der Wille zur Veränderung“ versteht sich als künstlerischer Beitrag zur Gegenwart: eine Einladung, starre Bilder zu hinterfragen – und neue sichtbar werden zu lassen. Sie schafft Möglichkeiten zum Austausch und Dialog.
(copy 1)
EN
“Once upon a time I thought it was a female thing, this fear of men. Yet
when I began to talk with men about love, time and time again I heard
stories of male fear of other males.” (bell hooks, 2004)
What is a man—and who determines how he must be? This is the question this international group exhibition would like to explore. It places masculinity at the center of a critical debate: not as a biological certainty, but as a historically-grown, politically-charged and culturally-powerful construct.
Based on the famous postulate of the philosopher Simone de Beauvoir (1908-1986), this exhibition assumes that—like "the woman"—"the man" is not born a man, but is "made into a man" in society. The title quotes the book The Will to Change: Men, Masculinity, and Love by the author bell hooks (1952-2021), in which she emphasizes the need to involve men in feminist changes. The sociologist Raewyn Connell provides a theoretical basis with the concept of "hegemonic masculinity": as a "legitimate" answer to the "legitimation problem of patriarchy", it represents the dominant but unstable form of masculinity, from which even most men are excluded or subordinated. The subordinate masculinities are complicit with the hegemonic in order to benefit from the advantages of patriarchy in a kind of "patriarchal dividend". In this respect, masculinity is not homogeneous—it is permeated by power relations that also operate along lines of ethnic origin, milieu, class, sexual orientation and age. Michael Kimmel's sociological study of the anger of white men in the USA provides further intellectual inspiration, describing the reinvigoration of male forms of violence and resistance to change.
The exhibition brings together five international artistic positions that make visible and question patriarchal structures. It's about shame and fear, about hierarchies and exclusions—but also about the potential for change. The works reflect the tension between hegemonic masculinity, social expectation, emotional speechlessness and queer lifestyles. They show how male violence, dominance and exclusion reproduce—but also depict other possible forms of masculinity.
Included in the exhibition is an Artistic Reading Room, which functions as a space for discussion and dialog on the subject. Here you can read and discuss. There will also be lectures and presentations. "The Will to Change" sees itself as an artistic contribution to the present: an invitation to question rigid images—and to make new ones visible. It creates opportunities for exchange and dialog.
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